„Letzte“ Worte

Es gibt Slogans, die die Welt verändern. Einmal gesagt und medial verbreitet, brennen sie sich in unser Gedächtnis ein und prägen die Alltagssprache. 1998 rastet der Fußballtrainer Giovanni Trappatoni vor laufender Kamera drei Minuten lang aus - und schließt mit den Worten: „Ich habe fertig!“ Seitdem ist diese Wendung aus der Alltagssprache nicht mehr wegzudenken, auch wenn sein Schöpfer längst keine Fußballgeschichte mehr schreibt. 2015, siebzehn Jahre später, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Bundespressekonferenz angesichts der akuten Flüchtlingskrise: „Wir schaffen das!“ Eigentlich ist das der Leitspruch von Bob dem Baumeister, der so den Sprung vom Kinderzimmer auf die politische Bühne schafft. Auch nach der Amtszeit von Angela Merkel wird er noch untrennbar mit ihr und der Kontroverse um die Flüchtlingspolitik verbunden sein, ebenso wie Barack Obamas „Yes, we can!“.

Rund zweitausend Jahre zuvor wird der Jude Jesus von Nazareth in Jerusalem verurteilt und hingerichtet. Er hatte den Volkszorn auf sich gezogen, weil er sich als Sohn Gottes bezeichnet und in seinem Namen gewirkt hatte. Eines seiner letzten Worte am Kreuz: „Es ist vollbracht!“ Seine Freunde verstehen diesen Satz zunächst ganz im Sinne von Trappatoni. Nach Ostern jedoch merken sie: Hier ist noch etwas ganz anderes geschehen. Etwas, das kein Mensch schaffen kann. Mit Jesus ist Gott selbst gestorben. Nur so kann Gott uns dort tragen, wo wir ihn am nötigsten brauchen: im Schmerz, in Todesangst, im Sterben. Gott sehnt sich nach uns Menschen. Deshalb durchlebt er alles, was uns Menschen treffen kann. Gott zeigt uns, dass mit dem Sterben seine Liebe nicht aufhört. „Es ist vollbracht.“ Der Tod ist nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang! Ich kann dieses Wort von Jesus ablehnen. Aber es steht da - unauflöslich verbunden mit unserer schönen, leidenden Welt.

"Wort zum Sonntag", von Maximiliane Rehm, Pfarrerin in Eibau-Walddorf
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 1. März 2018


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