Der etwas andere König

Wer den beschaulichen Kurort Oybin in den Weihnachtsfeiertagen besucht, kann Zeuge eines ganz außergewöhnlichen Brauches werden. Dort findet jedes Jahr der Kaiserzug statt in Erinnerung an Kaiser Karl IV., der im 14. Jahrhundert auf dem Berg Oybin ansässige Raubritter vertrieb und danach dort ein Kloster errichten ließ, welches noch heute die Besucher in seinen Bann zieht. Bewohner aus Oybin und der Umgebung schlüpfen in farbenfrohe Kostüme und begleiten den Kaiser, der mit seiner Gemahlin in einer Kutsche jedes Jahr auf den Oybin fährt, um begleitet von vielen Schaulustigen Weihnachten zu feiern.

An ein ganz ähnliches Ereignis erinnert der kommende Sonntag, den Christen auch Palmsonntag nennen. Ähnlich wie beim Kaiserzug, geht es auch hierbei um die Ankunft eines Prominenten auf einem Berg, nämlich Jesus auf dem Berg Zion, wo die Stadt Jerusalem steht. Und auch dort waren viele Menschen dabei, um Jesus in die Stadt zu begleiten. Sie hofften, dass dieser Jesus aus Israel und Jerusalem die Römer vertreiben würde und Israel wieder zum jüdischen Königreich machen würde. Wer bei Palmsonntag an Palmen denkt, ist ganz auf der richtigen Spur, denn die Bibel berichtet davon, dass die Menschen Palmenzweige vor Jesus ausbreiteten. Im Unterschied zu Kaiser Karl IV. fuhr Jesus jedoch nicht mit einer Kutsche, sondern ritt auf einem Esel in die Stadt Jerusalem ein. Vor uns liegt die Karwoche, Höhepunkt der Fastenzeit und zugleich letzte Fastenwoche. Nicht einmal sechs Tage nach Palmsonntag, wurde Jesus zum Tod am Kreuz verurteilt. Es waren wohl die selben Menschen, die an Palmsonntag Palmenzweige auf den Weg gelegt und den Neuankömmling mit Hosianna-Rufen empfingen, die am Karfreitag „Kreuzigen!“ riefen. Die Hoffnungen nach einem politischen Heilsbringer, der Israel von den Römern befreien sollte erfüllten sich nicht. Jesus wählte einen anderen Weg. Er wählte den Weg des Leidens, um den Menschen nahe zu sein und sie zu erlösen. Er starb den qualvollen Tod am Kreuz. Doch dabei ist es nicht geblieben, woran uns wiederum der Ostersonntag erinnert.

Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Karwoche.

"Wort zum Sonntag", von Markus Preiser, Vikar im Zittauer Gebirge,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 22. März 2018


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