Wie nahe wir uns sind

In diesen Tagen ist Pfarrerin Nancy Mtera aus Tansania in der Oberlausitz zu Gast. Vor über 100 Jahren gingen einst Missionare aus Sachsen in ihr Land. Jetzt kommt es zum Austausch. Seit ein paar Jahren gestaltet die Leipziger Mission ein Programm mit gegenseitigen Besuchen und gemeinsamer Arbeit. Ein fruchtbarer Austausch, denn die lutherische Kirche in Tansania ist mit der Zeit gewachsen. Pfarrerin Mtera ist in einer Kirchgemeinde im Süden des Landes, der Konde-Provinz, für 1 700 Mitglieder da. Sechs Chöre bereichern die Gottesdienste und machen sie so lebendig, wie wir uns Gottesdienste in Afrika vorstellen. Dabei stehen die Gemeinden vor ganz ähnlichen Fragen wie wir in Deutschland: Traditionelle Lieder und neue Lieder, die Überlieferung des christlichen Glaubens in der Familie, die Versuchungen eines Wohlstandsevangeliums („Gibst du heute ein Opfer für Gott, wird er dir morgen noch viel mehr geben“), die Liebe zu Gott und dem Nächsten wird von der Liebe zum Geld und zu Autos überdeckt, die verschiedenen Ansichten der Generationen, wie sprechen wir über „Sünde“?

Im Gespräch zwischen Markus Preiser, Nancy Mtera und mir geht es sehr pfingstlich zu. Wir bemühen uns um eine Verständigung in Englisch, obwohl das nicht unsere Muttersprache ist. Es sind verschiedene Kulturen. In Tansania ist zum Beispiel die Vielsprachigkeit eine echte Herausforderung, die mit der Umgangssprache Suaheli gelöst wird. Manche Bergdörfer sind sehr abgelegen und nur schwer zu erreichen. Sie pflegen ihre eigenen Dialekte. Wie im deutsch-tschechischen Gottesdienst werden die gemeinsamen Lieder in der jeweils eigenen Sprache gleichzeitig gesungen. Ein Schatz und Reichtum zur Verständigung!

ln allen Unterschieden dort wie hier bringt Gott zusammen. Deshalb ist die Botschaft an alle: Vertraut Gott! Daran hängt alles. Im Vertrauen zu Gott liegt der Schlüssel zum Leben, zur Gemeinsamkeit – erst recht über Ländergrenzen und Kontinente hinweg. Die christliche Botschaft überbrückt die größten Entfernungen.

Nancy Mtera ist weit gereist. Der Austausch von Ideen steht im Mittelpunkt des Besuches. Voneinander lernen ist ihr wichtig, zum Beispiel gemeinsam mit den Kindern den Gottesdienst zu beginnen. Das möchte Pfarrerin Mtera mit nach Hause nehmen. Ich wünsche ihr und ihrer Gemeinde in Tansania Gottes Segen! Das faszinierende Gespräch mit Pfarrerin Mtera hat eines gezeigt: Wie nahe wir uns sind!

"Wort zum Sonntag", von Christian Mai, Pfarrer im Zittauer Gebirge,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 24. Mai 2018


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