Kirche ist Jugendgemäß? Aber sicher!

Taizé -ein kleines Dorf in Frankreich. In einer Kirche auf einer Anhöhe, die vorne aus Beton und hinten aus Holz gebaut ist und an manchen Stellen eher an eine Lagerhalle erinnert sitzen rund 3000 Jugendliche und schweigen. Fast zehn Minuten lang.
Als kurz darauf die Fürbittgebete beginnen, ist die Kirche vom Gesang der Besucher aus über 30 verschiedenen Ländern erfüllt, die mit den Worten „Veni Lumen Cordium“ (Komm, Licht des Herzens) um den Beistand des Heiligen Geistes bitten.

In Deutschland sind Jugendliche jenseits der großen Festtage selten im Gottesdienst zu sehen, hier gehen viele freiwillig dreimal täglich - morgens, mittags und abends. Und noch etwas macht Taizé aus. Die Gottesdienste sind ökumenisch ausgerichtet. Katholiken aus Polen sind ebenso vertreten, wie Orthodoxe aus der Ukraine, Lutheraner aus Schweden und Reformierte aus der Schweiz. Jeden Morgen gibt es eine gemeinsame konfessionsübergreifende Eucharistiefeier. Die Einheit der Christenheit, vielerorts vermisst, wird hier gelebt.

Im Anschluss an das Mittagsgebet bilden sich vor der Essensausgabe lange Schlangen. Es sind Jugendliche im Alter von 17 oder 18 Jahren, die die Mahlzeiten ausgeben. Das Essen ist einfach gehalten, besteht aber aus mehreren Komponenten und reicht zum satt werden. Nachmittags gibt es Tee. Die meisten Jugendlichen finden die Einfachheit erst einmal schräg, gewöhnen sich aber schnell daran. Zwei 15jährige Schülerinnen aus Deutschland berichteten mir, wie sehr sie sich nach zwei drei Tagen auf den Tee freuten, da dazu immer mit einem Lächeln ein Keks überreicht werde und man immer andere Leute dabei treffen könnte.

Neben den Gottesdiensten gibt es in Taizé noch sogenannte bible study groups. Hierbei treffen sich altersähnliche Gruppen mit Teilnehmern aus verschiedenen Ländern, bekommen eine Einführung von einem der Ordensbrüder, die in Taizé leben und tauschen sich über einen Bibeltext aus.

Außerdem lebt Taizé davon, dass sich jeder Teilnehmer einbringt. Neben dem Austeilen der Mahlzeiten gibt es verschiedene Aufgaben, z.B. bei den Gottesdiensten im Chor zu singen, aber auch Abwaschen und das Reinigen der Toiletten.

Wer Interesse an einer Auszeit hat, auf der Suche nach Gott ist und dabei gerne Jugendliche aus aller Welt treffen möchte, dem sei ein Besuch in Taizé wärmstens empfohlen.

Der Autor war in der ersten Juliwoche mit Jugendlichen aus Zittau und Umgebung in Taizé.

"Wort zum Sonntag", von Markus Preiser, Vikar in den Gemeinden im Zittauer Gebirge,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 14./15. Juli 2018


Ev.-Luth. Kirchenbezirk Löbau-Zittau • Friedhofstraße 3 • 02708 Löbau
Telefon 03585 415771 • Fax 03585 415773 • eMail suptur.loebau_zittau@evlks.de
Sprechzeiten: Montag - Freitag 8:00 bis 14:00 Uhr