"Seid nett zueinander!"

Mit diesem Slogan wollte der Verleger Axel Springer einst der „Ellenbogenexistenz“ entgegenwirken. Seitdem taucht der Appell immer wieder in den Medien auf: „Seid nett zueinander!“ Das ist wohl notwendig, denn es gibt so Vieles zwischen Menschen, was nicht nett ist, sondern sie entzweit und gegeneinander aufbringt – in Partnerschaften, Familien und Wohngemeinschaften, in Betrieben, Nachbarschaften und Gemeinden, zwischen den Generationen oder zwischen Einheimischen und Fremden …

Ob die Aufforderung „Seid nett zueinander!“ hilft, Konflikte zu lösen, wage ich allerdings zu bezweifeln. Schließlich geht es nicht nur um den guten Willen. Vielmehr scheint es zur Natur der Menschen zu gehören, sich selbst, die eigenen Ansichten und den eigenen Vorteil zum Maßstab des Handelns zu machen. „Wenn jeder für sich selber sorgt, ist für alle gesorgt“, lautet dann die Maxime.
Die Bibel hält dagegen: Sie fordert uns zur Liebe auf, zur gegenseitigen wertschätzenden Annahme. Und sie erklärt, wie das funktionieren kann: Die Erkenntnis, von Gott gewollt und geliebt zu sein, kann uns befreien von der Angst, zu kurz zu kommen, und unsere Augen öffnen für all das Schöne, das uns im Leben begegnet und geschenkt wird. Als Menschen, die Liebe erfahren, können wir auch Liebe weitergeben.
Wenn ich heute meinen Blick auf das lenke, was gut ist in meinem Leben und wofür ich dankbar sein kann, werde ich nicht nur einen, sondern viele gute Gründe zur Dankbarkeit entdecken. Gründe, die mich spüren lassen: Ich bin gewollt und geliebt. Diese Erfahrung kann ich liebevoll mit anderen teilen, damit auch sie Liebe spüren. Wer wollte sich ihr verschließen?
Liebe heißt nicht nur Lächeln. Vielmehr ist sie ein anspruchsvoller Lernprozess der Selbstannahme und der Annahme des Nächsten. Die Bibel beschreibt das so: „Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. … Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“ (1. Johannesbrief 4).

"Wort zum Sonntag", von Diakon Volker Krolzik, ev. Pfarrer und Theologischer Vorstand der Herrnhuter Diakonie sowie des Christlichen Hospizes Ostsachsen,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 4./5. August 2018


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