Loben will gelernt sein

Haben Sie heute schon „Danke“ gesagt? Nein, nicht für das Wechselgeld an der Kasse, sondern bewusst und voller Freude; zu anderen oder auch zu sich selbst?
Vielleicht werden Sie denken: „Was soll denn dieser Quatsch, als ob ich sonst nichts zu tun habe? Und außerdem: Eigenlob stinkt!“ Viel zu tun vielleicht, aber ist es wirklich Quatsch?

Loben und Danken haben es schwer im Alltag. In der Oberlausitz treffe ich ab und an auf den Spruch: „Nicht gemeckert ist Lob genug.“ Ich finde den Spruch nicht so toll, denn ohne Lob und Anerkennung arbeitet und lebt es sich schwerer als mit  der Gewissheit, wertgeschätzt zu werden und anerkannt zu sein. Mich jedenfalls kostet es viel Kraft, mich an Stellen zu motivieren, wo ich keine Wertschätzung erhalte, wo ich die Erfahrung mache, dass meine Arbeit nicht gesehen und geschätzt wird. Anders an den Stellen, wo sich Menschen bedanken oder wo ich den Dank in ihren Augen oder Gesten spüre.

„Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“(Die Bibel, Psalm 103,2).

Dieses Bibelwort ist der Wochenspruch für diese Woche. Ich bin eingeladen, dem Danken einmal mehr Raum zu geben als sonst. - „Na ja, wenn ich in die Zeitung schaue, dann kann einem der Dank im Munde stecken bleiben“, wendet der Zweifler in mir ein. Bilder aus Chemnitz und andere Nachrichten von Gewalt und Unglücken sind mir vor Augen und ich spüre in mir, wie ich traurig und kraftlos werde. „Mag sein“, kontert plötzlich eine andere Stimme in mir. Es ist der Fröhliche, der sagt: „ es gibt aber auch genügend Dinge zu entdecken, die schön und gelungen sind.“
Wer von beiden wird am Ende die Oberhand behalten? Das hängt ganz davon ab, wem von den beiden ich die Sicht der Dinge überlasse. Der Zweifler hat es deutlich leichter, denn er kann auf eine Fülle von Schreckensnachrichten zurückgreifen. Der Fröhliche hat es da schon schwerer, denn gute Dinge verkaufen sich im Mediengeschäft schwerer als Unglücksnachrichten. Aber wenn ich mir die Mühe mache, nach ihnen zu suchen, werde ich auch fündig.
Loben will eingeübt und gelernt sein. Als Christ danke ich Gott für mein Leben und für das Gute. Dabei mache ich die Erfahrung, dass in dem Augenblick wo ich mir das Gute bewusst mache, sich  mein Blick auch auf die Sachen positiv verändert, die nicht so gelungen sind. Mit  dem Guten im Rücken kann ich barmherziger auf jenes schauen, das nicht so gelungen ist.
Mal praktisch gefragt: „Wie wäre es mit 3 min Zeit zum Danken – vielleicht am Abend? Das klingt nicht viel, ist aber eine Menge Zeit. Ich bin mir sicher, Sie werden staunen, viel viele gute Dinge zusammenkommen.

"Wort zum Sonntag", von Peter Pertzsch, Pfarrer im Fachkrankenhaus Großschweidnitz,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 08. September 2018


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