Ein Wink Gottes

Der heutige Samstag als Tag des Erzengels Michael und aller Engel stellt uns die Frage: „Was hälst Du eigentlich von Engeln?“ Zuerst fallen einem da die Schutzengel ein. Gemeint sind hier aber nicht irgendwelche Engel-Amulette, die in mancher Buchhandlung zwischen Räucherstäbchen und Klangschalen liegen, bis sie dann unter einem Auto-Rückspiegel baumeln; gemeint sind echte Boten von Gott. Denn Engel, griechisch Angelos, ist der Bote. Ein Bote, den Gott uns Menschen manchmal schickt; einer, der uns auch beschützt.

Eine solche Erfahrung des Beschützt-Werdens berichtet Reinhold Stecher. Er war im Krieg in eine aussichtslose Lage geraten und sah sich allein einer Überzahl Soldaten gegenüber. Aufgrund einer Eingebung gelang ihm halbnackt die Flucht über einen Fluss, indem er die Steinblöcke darin als Deckung nutzte. Von den feindlichen Gewehrsalven blieb er wie durch ein Wunder verschont. Auf der anderen Seite brachte er sich schließlich durch einen Sprung über das Steilufer in Sicherheit. Im Blick zurück war da für ihn Gottes Schutzengel am Werk.

Solche Geschichten lassen uns aufhorchen, doch auch die Skepsis regt sich, spätestens beim Blick auf die anderen. Denn wie ist das mit den Schutzengeln derer, die nicht durchgekommen sind? Auch darüber hat Reinhold Stecher behutsam nachgedacht: „Alles Gerettetwerden ist in dieser Welt nur ein Zeichen, der Wink einer Liebe, die alles umspannt. Sie waren alle in Gottes Hand, auch die da liegen geblieben sind. Wenn ich (... damals) gefallen wäre, dann hätte mich mein Schutzengel eben über einen anderen Fluss geführt, über ein anderes Steilufer“, zu einem Fest, wo der Friede nicht aufhört und wo Gott sich unserem hilflosen Fragen annimmt.

Eigentlich ein schöner Gedanke: Engel als Wink der Liebe Gottes. Dieser Wink braucht keine Flügel und keine Goldlocken. Was er braucht, das ist unser Vertrauen. Mögen wir feinfühlig dafür sein, wo und durch wen uns Gottes Wink erreicht. Dass er uns erreicht, das ist uns versprochen. Denn: „Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die Gott achten und ehren.“ (Ps 34,8) Wenn das kein Evangelium ist!

"Wort zum Sonntag", von Gerd Krumbiegel, Pfarrer in Großschönau.
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 29. September 2018


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