Das gloobsch!

Der Sachse ist gottlos. „Die Sachsen gehören zu den ungläubigsten Deutschen. Ist das nun gut oder schlecht?“ So lautete die Überschrift in der Sächsischen Zeitung Anfang Oktober auf der Seite Lausitzer Leben. Auch wenn es korrekt heißen müsste: Die meisten Sachsen sind gottlos, so ist doch an der Grundaussage nichts zu deuteln: Fast 80 Prozent aller Sachsen haben dem christlichen Glauben den Rücken gekehrt oder ihn nie kennengelernt.

Ist das nun gut oder schlecht? Als Pfarrer sage ich natürlich: Es ist schlecht, dass so viele Menschen den Glauben verloren haben. Schlecht für unsere Gesellschaft und schlecht für die einzelnen Menschen. Schlecht für unsere Gesellschaft, da gäbe es einiges zu sagen. In der SZ konnte man lesen, dass die Wissenschaft sich einig ist, dass Gläubige glücklicher und zufriedener sind. Auch die andere Zahl aus diesem Artikel ist nachdenkenswert und erschreckend zugleich: Je ungläubiger die Bevölkerung, umso höher die Selbstmordrate.

Wir wollen alle glücklich sein, warum wird dann der Weg des Glaubens von so vielen abgelehnt?

Warum ist der Unglaube auch schlecht für den einzelnen Menschen? Weil es nach meiner Überzeugung nicht klug ist, auf den Himmel zu verzichten. Die Hoffnung auf den Himmel färbt auf unser Leben hier ab, darum die höheren Zufriedenheits- und Glückswerte bei Gläubigen.

Wahrscheinlich werden jetzt einige von den 80 Prozent ungläubigen Sachsen sagen: Ist doch klar, er verdient ja als Pfarrer seine Brötchen mit dem Glauben. Stimmt. Aber mein Beruf ist nicht der Grund, warum ich an Gott glaube. Meine Berufswahl ist vielmehr Folge meines Glaubens.

Jawohl, ich glaube an Gott und an Jesus Christus. Ich kann die Existenz Gottes nicht beweisen, aber auch die Nichtexistenz Gottes kann niemand beweisen, so sehr er sich auch bemüht. Wir sind also alle Glaubende.

An die Vernunft zu glauben oder an den zwischenmenschlichen Zusammenhalt, wie es viele Ungläubige nach der genannten Erhebung des Leipziger Instituts für Marktforschung tun, ist ja durchaus edel, aber wer legt fest, was vernünftig ist und was tun, wenn sich zwischenmenschlicher Zusammenhalt als brüchig erweist? Was hält mich dann? Gott ist nicht durch irgendetwas noch so Gutes oder Edles, aber eben Vergängliches zu ersetzen. Gott ist nicht Teil der Schöpfung, sondern ihr Schöpfer. Das macht ihn zum Einzigen, der uns wirklich helfen kann, der ein wirkliches Gegenüber ist. An der Realität Gottes ändert sich nichts, auch wenn 80 Prozent der Sachsen ihn ignorieren. Wäre Gott ein Mensch, würde ich sagen: Das kostet ihn ein müdes Lächeln. Da er aber ein liebender Gott ist, macht es ihn traurig, dass so viele seiner Geschöpfe sich gegen ihn entscheiden, darum hält er auch in unseren Tagen sein Angebot des Glaubens, seine Einladung in den Himmel, aufrecht. Der Sachse mag gottlos sein, aber Gott los wird er nicht. Das gloobsch!

"Wort zum Sonntag", von André Rausendorf, Pfarrer der Kirchgemeinde Am Großen Stein Seifhennersdorf,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 27. Oktober 2018


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