Perspektive Ewigkeit

Fritz schaut übers Dorf. Er sieht die kahlen Äste der Bäume, die Krähen, wie sie fliegen, das weiße Blau des Novemberhimmels, die bunten Häuser. Er atmet die kalte Luft. Sein inneres Auge sieht noch mehr und anderes. Fritz sieht in der Novemberlandschaft einen Traum: seinen Traum von Gottes neuer Welt. Es ist eine farbige Welt voller Leben. Krankheit und Leid sind daraus verschwunden. Er denkt dabei an seinen Vater, der gestorben ist. „Ja“, denkt er, „auch du lebst und bist geborgen.“ Fritz sieht eine Welt, in der sich das Dunkel und Grau seiner Trauer und des Novembers in schöne Farben des Lebens verwandelt haben. Auf den Wegen dieses Jahres, auch zum Grab auf dem Friedhof, sind ihm die Bilder von Gottes Welt gekommen. Nun sieht er sie immer mehr. Sie wohnen in seinem Herzen.

Fritz kann auf einmal etwas anfangen mit den Bildern der Verheißung, die wir am Ende des Kirchenjahres, zum Ewigkeitssonntag, in unseren Gottesdiensten vor Augen stellen. Wenn wir die Namen der in diesem Kirchenjahr Verstorbenen hören, dann hören wir dazu die Worte vom biblischen Seher Johannes: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.“ Wundervoll konkret! Jede und jeder kann dazu sein Eigenes andocken.

„Sinn und Geschmack fürs Unendliche“ nannte darum der Theologe Friedrich Schleiermacher (1768-1834) das, worum es im christlichen Glauben geht. Am 21. November wurde er vor 250 Jahren in Breslau geboren. Im Reden von unseren „Sinnen“ für Gott, den Unendlichen, können auch unser Glaube und unsere Hoffnung zwischen Herbst und Winter wachsen. 

"Wort zum Sonntag", von Gregor Reichenbach, Pfarrer in Oderwitz,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 24. November 2018


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