Dem Frieden nachjagen!?

Liebe Leserinnen und Leser, in der vergangenen Woche konnten Sie an dieser §telle etwas zur Jahreslosung erfahren. Über jedem Jahr steht solch eine Losung - ein Satz aus- der Bibel - wie ein Motto. Ein Merkspruch, den sich viele Christen aus verschiedenen Kirchen behalten und über den sie immer wieder nachdenken.

Im Jahr 2019 handelt es sich um einen Spruch aus dem Psalmenbuch im Alten Testament. Er lautet: Suche Frieden und jage ihm nach!

Frieden ist schön und wunderbar. Aber eigentlich passen die Begriffe Frieden und Jagd auf den ersten Blick nicht recht zueinander. Wer an Jagd denkt, hat auch einen Jäger vor Augen. Der Jäger zieht mit seinem Gewehr in den Wald oder auf ein Feld. Dort wartet er und drückt im rechten Augenblick den Abzug. Mit ein wenig Glück erlegt er ein Reh oder ein Wildschwein. Blutrünstig, mögen die einen denken, notwendig zum Schutz unserer Wälder, meinen die anderen. Wie auch immer. Aber Jagd und Frieden, wie geht das zusammen? Wie kann man dem Frieden nachjagen? Wer selber jagt oder einen Jäger kennt, der weiß, dass mehr zur Jagd gehört als der bloße Besitz und die Verwendung einer Waffe zum rechten Zeitpunkt. Zur Jagd gehören Leidenschaft und Beharrlichkeit. Der Jäger muss Geduld haben, aber auch über besondere Kenntnisse verfügen. Zur Jagd gehört die Pflege der Jagdwaffen genauso wie Investitionen von Zeit und Geld. Es gibt eine Vielzahl an Regeln, die beachtet werden müssen. Erst im Zusammenspiel all dieser Faktoren kann ein Jäger erfolgreich sein.

Der Jagdtrieb ist in den meisten Menschen tief verankert. Dem einen mag es dabei um Anerkennung und Aufmerksamkeit gehen, einem anderen um Erfolg und Karriere. Jagdmotive können Geld und Gewinn, aber auch Neugier und Eitelkeit sein. Was tun nicht die meisten von uns, um hier und dort gute Beute zu machen. Ein Mensch arbeitet bis zum Umfallen, ein anderer kann sein Smartphone nicht mehr aus der Hand legen, ein Dritter wartet auf das nächste Sonderangebot. Mit diesem Eifer, mit dem ein Jäger seine Leidenschaft betreibt und mit der wir unsere Begehrlichkeiten verfolgen, sollen wir dem Frieden und dem Wohlergehen unserer Mitmenschen nachjagen. Mit derselben Beharrlichkeit und Geduld, mit derselben Leidenschaft und Hingabe! Was könnte werden, wenn wir das einmal versuchen würden!?

"Wort zum Sonntag", von Friedemann Bublitz, Pfarrer der Kirchgemeinde Bischdorf-Herwigsdorf,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 12./13. Januar 2019.