Schlagzeilen

Fällt Ihr Blick beim Holen der Zeitung zuerst auf das Titelbild oder die Schlagzeile? Schnell gehen einem da viele Dinge durch den Kopf. Vielleicht der erste Aufreger am Morgen. Medienredaktionen verwenden viel Mühe auf eine gute Schlagzeile. Einige Medien haben eigene Redaktionen nur für die Überschriften. Schlagzeilen entscheiden manchmal darüber, ob ein Artikel gelesen wird oder nicht. Ereignisse bekommen ihre Überschriften. Oft kommen emotionale Momente zur Sprache. Sie nehmen gern Einfluss auf unser Denken und Handeln. Wer sie macht, trägt Verantwortung. „In die Schlagzeilen kommen...“ Schnell können mit ihren Worten Menschen oder Aktien stürzen. Mit ihnen werden Sensationen geboren oder das Ende einer Ära eingeläutet. Sie können Debatten anregen, aufbauen und Verbindungen knüpfen. Sie beschreiben unwiederbringliche Momente der Geschichte. Im Guten wie im Schlechten. Was wäre, wenn Sie eines Morgens die Zeitung holen und lesen: „Gute Nachrichten!“ Blättern Sie ungläubig weiter? Wir erwarten in der Regel eine Mischung aus positiven und negativen Ereignissen. Beides regt uns an. Schlimmes nehmen wir oft mit teilnehmender Neugier wahr. Zwischendurch Wollen wir aber auch Gutes lesen. Nur nicht zu viel, da werden viele schon wieder skeptisch. Wir wollen seriös informiert werden, aber auch unterhalten werden. Was wäre wenn …

Die Schlagzeile von morgen? „Gute Nachrichten!“ Sie heißen keineswegs „Nur noch gute Nachrichten“. Sie sprechen aus Geschichten, die Menschen erlebt haben. Ganz oft von Menschen, die durch Schwierigkeiten gegangen sind oder gehen. Das „Napalmmädchen“ aus Vietnam – einst selbst in den Schlagzeilen - das Halt im christlichen Glauben gefunden hat. Das Mobbingopfer, das Zuspruch durch einen Schulsozialarbeiter erlebt hat. Der Geflüchtete, der in der Kirchgemeinde einen Lichtblick sieht und eine Heimat gefunden hat. Die guten Nachrichten stehen immer wieder zwischen den Zeilen der Ereignisse. Dort, wo Menschen vertrauen, wo sie vom Glauben an Gott motiviert werden zu Hoffnung und Liebe. Von Gott her erreichen uns gute Nachrichten. Er schätzt uns wert. Gott tröstet uns. Er freut sich mit uns in Dankbarkeit. Er rettet uns. Das hilft, zu unterscheiden und die Schlagzeilen des Lebens ganz neu zu lesen - als Mutmacher schon am Morgen.

"Wort zum Sonntag", von Dr. Christian Mai, Pfarrer im Zittauer Gebirge,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 16. Februar 2019