Und was kommt dann?

In einer Runde mit Jugendlichen reden wir über Tod und Auferstehung. Die Jugendlichen sind aufgefordert, sich Gedanken zu machen: Wie stelle ich mir Ewigkeit vor, ein Leben nach dem Tod? Ein Bild sollen sie dazu entwerfen und sie nehmen die Herausforderung an.

Nach einiger Zeit stellen wir uns unsere Bilder gegenseitig vor. Sie sind ganz unterschiedlich geworden und das ist gut so.

Zwei Mädchen überraschen mich: Ihre Vorstellungen sprengen offenbar jedes Bild, deshalb haben sie ihre Gedanken aufgelistet und all das notiert, was sie sich vom Himmel erhoffen oder zumindest das, was sie als paradiesische Zustände beschreiben würden. Die Liste ist lang und beinhaltet unter anderem Folgendes: Kaufland, Elbepark, dm, Ikea, Döner, Schwimmbad, Sauna, Whirlpool, eine Villa mit Garten, WLAN ..., zuletzt findet sich auf der Liste noch ein Bentley. Von Geld steht nichts da, aber ich vermute, sie rechnen mit einer umfangreichen Taschengelderhöhung.

Ich staune: Genau genommen ist das, was hier geträumt wird, lediglich eine Fortsetzung dessen, was jetzt schon ist. Und ich erschaudere: Das, was darin als Himmel beschrieben ist, es gleicht für mich mehr einer Inszenierung von Hölle. Hier bleibt alles auf ewig beim Alten. Menschen kaufen, Menschen konsumieren, Menschen häufen ohne Rücksicht auf Verluste eine Fülle von Zeug an und wissen selbst nicht recht, wozu.

Nein, nicht Menschen, einige wenige Menschen. Auch das bleibt beim Alten: Zwischen Menschen gibt es Unterschiede. Luxus lebt davon, dass er exklusiv ist. Wer braucht einen Bentley, wenn alle einen haben können?

Das Bild bedrückt mich und beschäftigt mich die nächsten Tage. Ich versuche, in dem scheinbar so oberflächlichen Bild etwas zu finden, was ich deuten kann. Warum wünschen sie sich all das? Was steckt dahinter? Vielleicht verbirgt sich hinter all diesen Dingen am Ende doch mehr Ernst als ich auf den ersten Blick gesehen habe? Die Sehnsucht, wahrgenommen zu sein, geliebt zu sein, sicher und geborgen leben zu können. Ganz berechtigte, tief menschliche Bedürfnisse.

Auf einmal fühle ich mich den beiden doch nahe, denn das, ja das wünsche ich mir auch.

"Wort zum Sonntag", von Elisabeth Süßmitt, Pfarrerin der Kirchgemeinde Kittlitz-Nostitz,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 23./24. März 2019.