Das Beste suchen

Sucht das Beste für die Gesellschaft – so ermuntert bereits der Prophet Jeremia die Israeliten in einer sehr schwierigen historischen Situation. Das bedeutet für uns heute auch: Ihr seid mit dafür verantwortlich, wie es weitergeht, ob in eurer Stadt/Gemeinde, im Landkreis oder auch in Europa. Die Wahlen in gut einer Woche bieten die Gelegenheit, diese Verantwortung wahrzunehmen. Was aber ist „das Beste“ für uns, unsere Mitmenschen und unsere Umwelt? Parteien sowie Wählervereinigungen und deren Kandidaten präsentieren ihre Ideen und Programme für eine gute Entwicklung. Jeder hat die Möglichkeit, sich zu informieren, in der Presse und im Netz, durch Flyer und Plakate, und im Fernsehen oder bei der EKD gibt es als Orientierungshilfe sogar sogenannte „Wahlomaten“.
Ausschlaggebend  für die Entscheidung bei der Wahl sollte doch sein, welches Programm und welcher Kandidat unseren Wertmaßstäben am meisten entspricht. Als Christen sehen wir in jedem Menschen Gottes Ebenbild - das gibt jedem Menschen seine eigene Würde, und darauf soll jedes politische Handeln ausgerichtet sein. Wir setzen auf Gewaltlosigkeit bei Konflikten, in Worten und im Handeln, auf Empathie und Solidarität miteinander, - besonders gegenüber den Benachteiligten und Hilfebedürftigen -, auf Respekt und Humor. Und bereits Luther betont die „Freiheit des Christenmenschen“, die einen entscheidenden Impuls für eine freiheitlich  - demokratische Gesellschaftsordnung darstellt. Keine Partei und kein Kandidat hat alle Weisheit der Welt für sich gebucht, deshalb kommt es darauf an, Herausforderungen und Probleme zu diskutieren und miteinander nach den geeigneten und bestmöglichen Lösungen zu suchen. Was jedoch nicht weiter hilft: diskriminierende und menschenverachtende Parolen und populistische Rattenfängerei. Insofern wird es Favoriten für die eigene Wahlentscheidung geben, während andere Parteien und Bewerber sich selbst disqualifizieren.

Vielleicht purer Zufall - vielleicht aber auch mehr: vor einiger Zeit feierten die Kirchgemeinden des Zittauer Gebirges einen gemeinsamen Gottesdienst, und beim Abendmahl standen im Kreis vor dem Altar links und rechts neben mir zwei gute Bekannte - Kreisräte wie ich selbst -, aber in jeweils anderen Fraktionen. Ich habe innerlich geschmunzelt: So soll es sein. Über Sachfragen kann man ehrlich und ergebnisoffen diskutieren, die Verantwortung nehmen wir alle gemeinsam wahr. Insofern: Sucht das Beste für die Gesellschaft - auch als Wähler am 25. Mai 2019.

"Wort zum Sonntag", von Gotthilf Matzat, Pfarrer im Entsendungsdienst
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 18./19. Mai 2019.