Verrückte Welt

Die Welt spielt offenbar verrückt. Kein Tag vergeht, an dem Donald Trump nicht Stoff für neue, meistens ärgerlich-peinliche Schlagzeilen liefert. Die Briten mit ihrem verkorksten Brexit bieten ein Bild des Jammers. Und wenn irgendwo das Thema AfD aufpoppt, schlagen die Wellen sofort hoch: Entweder fühlen sich die einen mal wieder ausgegrenzt und vom „System“ diskriminiert oder die anderen wittern den drohenden rechtsnationalen Umsturz gleich hinter der nächsten Ecke. Und wenn es dann noch um den sich endlos hinziehenden Bau der umstrittenen B 178n geht, pendeln die emotionalen Ausschläge zwischen Haftstrafen für beteiligte Planungsingenieure und Verdienstorden für Grasmücke und Feuersalamander. Allüberall aufgeheizte Atmosphäre - bei der Stimmung und auch beim Klima. Und weit und breit kein kühlender Regen in Sicht.
Natürlich: Für vieles haben wir keine Lösungen. Aber warum haben wir für vieles auch kein Lachen? Ich bin mir sicher, das würde uns helfen, unsere überhitzte Zeit ganz gut zu überstehen: Donald Trump als Star im politischen Kabarett - und das ganz ohne Eintrittsgeld! Ein mitleidig lächelndes Kopfschütteln a lá Asterix: „Die spinnen, die Briten“. Ein befreites Lachen darüber, wie verbissen ernst zum Beispiel ein Björn Höcke sich selbst und die lautstarke Stimmungsblase um sich herum nimmt. Oder ein bedauernd resigniertes Schmunzeln über so viel scheinbar vergebliche Arbeit in Endlosschleife für die Verlängerung der Bundesstraße nach Zittau.
Also: Lachen Sie ruhig öfter, statt sich zu ärgern (und so den Ängsten und Unsicherheiten leichtes Spiel zu lassen). Lachen lockert, befreit, schafft Distanz, stiftet Gelassenheit.
Und es öffnet gerade so wieder den Blick für eigene Handlungsspielräume. Lachen zwingt uns ja gerade nicht in Passivität, sondern es eröffnet eine ungeahnte neue Freiheit. Eine neue Freiheit des Denkens, Redens, Handelns. Und die wird dazu führen, dass unsere Welt tatsächlich verrückt wird. Verrückt hin zum Vertrauen, hin zur Barmherzigkeit, zur Ehrlichkeit.
Und deswegen kann ich mir sehr gut vorstellen, dass wohl auch Gott ziemlich häufig lacht - über unsere Aufgeregtheiten, Ungereimtheiten, Verdrießlichkeiten. Denn ich glaube zutiefst, dass Gott – durch uns – diese Welt in Richtung Erbarmen und Freude verrücken will. Und in diesem verrückten Sinn wünsche ich Ihnen eine heiter-gelassene Sommer- und Urlaubszeit.

"Wort zum Sonntag", von Thomas Markert, Pfarrer in der Kirchgemeinde Kemnitz,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 13./14. Juli 2019.