Durchkreuzte Wege

So könnte man die Geschichte von der Passion Jesu modern überschreiben. Wenn es nach den Jüngern Jesu gegangen wäre, hätte Jesus nach seinem triumphalen Einzug in Jerusalem im Tempel als neuer König David inthronisiert werden und dann sein Volk von der Fremdherrschaft der Römer befreien sollen. Oder er hätte als wiedergekehrter Prophet Elia eine religiöse Erneuerung bewirken oder aber als endzeitlicher Hohepriester das Reich Gottes sichtbar für alle anbrechen lassen sollen.
Aber nein. Jesus zieht in Jerusalem ein, wird gefangen genommen, ihm wird der Prozess gemacht und dann stirbt er einen qualvollen Tod am Kreuz.
Durchkreuzte Wege, enttäuschte Hoffnungen, vermauerte Zukunft. Und warum die Erinnerung daran jetzt, mitten im Herbst? Zum einen, weil Leiden, Tod und Auferstehung Jesu unser ganzes Kirchenjahr prägen und sie ganzjährig der Bezugspunkt unseres christlichen Glaubens sind. Gerade in der weitgehend festlosen Trinitatiszeit steht die Erinnerung an die Reden und Taten Jesu im Mittelpunkt unserer Gottesdienste. Sein Leben, das so viel Glauben geweckt hat und durch sein unglaublich jähes Ende vielen als gescheitert galt und heute noch gilt. Aber gerade dieses Ende, das gar kein Ende war, sondern ein neuer Anfang, ist der Ausgangspunkt dafür, dass sein Leben heute noch so eine große Bedeutung hat. Und wenn sich das herbstliche Grau auf das Land legt und das Kirchenjahr auf sein Ende zugeht, steht uns zudem unsere eigene Sterblichkeit greifbarer vor Augen. Als Christen haben wir dank des Todes Jesu und seiner Auferstehung das Vertrauen, dass auch wir auf unsere Auferstehung hoffen dürfen.
Zum anderen jetzt diese Erinnerung, weil ich Sie einladen möchte: „Durchkreuzte Wege“ ist der Titel eines Musicals, das heute Nachmittag um 16 Uhr in der Kirche in Schönbach aufgeführt wird. Durch eine alte Bekanntschaft hat sich der glückliche Umstand ergeben, dass „De pommerschen Engelspierken“ zu Gast sein werden. Der Musicalchor aus dem pommerschen Teil der Nordkirche setzt sich aus etwa 40 Laien im Alter zwischen sechs und 68 Jahren zusammen. Sie haben mit verschiedenen Musicals, vor allem zur Geschichte der Reformation, bereits einige Tourneen im In- und Ausland bestritten. Und nun hat sie ihr Weg in die Oberlausitz geführt. Vielleicht kreuzen sich Ihre Wege, wenn Sie sich heute aufmachen. Eine herzliche Einladung dazu!

"Wort zum Sonntag", von Friederike Hecker, Pfarrerin der Kirchgemeinde Ebersbach,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 05./06. Oktober 2019.