Gott begegnen! Im Geist?

Dort werden wir zu dem, was uns Menschen ausmacht. Die Wissenschaft kann in diesem Bereich wenig ausrichten.

Viele lächeln, wenn ich sage: Ich pflege mit Gott eine Beziehung, weil er für mein Leben eine Realität geworden ist. Oft die Antwort: Du spinnst. Die Wissenschaft hat noch keinen Gott entdeckt. Wer so denkt, schießt zu kurz und blendet wesentliche Fakten des Lebens aus.
Wesentlicher und schöpferischer als unser Körper ist unser Geist, unser Innenleben, unser Bewusstsein. In unseren Herzen leben und sehen wir die Personen oder Dinge, denen wir begegnet und die uns wichtig geworden sind - auch wenn sie 100 Kilometer entfernt und es schon Wochen her ist. Aber eine innere Beziehung und ihr Bild bleibt, und entwickelt sich sogar weiter - wie z. B. bei Verliebten oder guten Freunden. Ich bin Frau Merkel oder Herrn Scholz noch nie persönlich begegnet, aber ich weiß, wie sie ticken und lasse das in meine Wahlentscheidung einfließen.
Auf dieser inneren und geistigen Ebene spielt sich das Wesentliche unseres Lebens ab. Unser Erkennen, unser Urteilen, Bewerten, Reagieren, Handeln, Lieben oder Hassen! So werden wir ein Charakter mit Werten, Einstellungen! Eine selbstständige unverwechselbare Person! Ein guter, mittelguter oder schlechter Mensch, den andere verabscheuen. So ist letztlich unser eigentliches Menschsein im Geist verankert. Hier ereignet sich das Wesentliche, hier werden wir zu geachteten Persönlichkeiten oder zu Leuten, die anderen auf den Docht gehen.
Auf dieser inneren und geistigen Ebene begegnen wir auch Gott! Wer aufmerksam lebt, der staunt über die genau abgestimmte Vielfalt und Genialität unseres Makro- und noch mehr unseres Mikrokosmos! Und der fragt: Woher kommt das alles? Wozu ist das alles? Wer bin ich letztlich? Denn die billige Zufallshypothese ist für einen denkenden Geist doch eine Zumutung! Viele in dieser Welt können das nicht nachvollziehen und glauben an höhere Mächte, die über unserer Welt stehen und diese beeinflussen. Immerhin sind noch über 80 % aller Menschen in unserer Welt religiös!
Gewöhnlich wird man für Religion offen, wenn unser Leben mit seinen gesteckten Zielen und Werten scheitert oder gar zusammenbricht. Dann beginnt der Mensch oft innerlich zu rufen: Gott, wenn es dich gibt, dann hilf mir! Und wenn uns Versagen und Schuld niederdrücken, dann rufen wir Christen: Gott, erbarme dich über mich Sünder. In solchen Grenzsituationen erfahren Menschen oft eine vergebende, erhebende, befreiende und beglückende Gottesbegegnung in ihrem Inneren. Gott wird ihnen zur neuen realen erfahrbaren Dimension - und es baut sich eine dankbare und vertrauensvolle Gottes- und Glaubensbeziehung auf. Solche Menschen stimmen dann überzeugt mit ein, wenn Christen bekennen: Ich glaube an Gott, den Schöpfer und Vater! An Jesus, den menschgewordenen Erlöser! An den Heiligen Geist, der mir Gott und seine Liebe in meinem Herzen gegenwärtig werden lässt!

Solch beglückende und bereichernde Gotteserfahrung wünsche ich Ihnen.

"Wort zum Sonntag", von Pfr.i.R. Siegfried Nerger
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 19./20. Oktober 2019.