Gründonnerstag lässt Leid und Freud erahnen

Der Tag vor Ostern trägt einen merkwürdigen Namen – aber wo liegt sein Ursprung?

Liebe Leser und Leserinnen, der morgige Tag, trägt einen merkwürdigen Namen. Viele Menschen kennen ihn als Gründonnerstag. Jedes Jahr liegt er vor dem Karfreitag und den dann folgenden Ostertagen.

Gründonnerstag - die Herkunft dieses Namens scheint auf den ersten Blick logisch zu sein. Es grünt doch an allen Ecken und Enden. Der Frühling hat Fahrt aufgenommen. Das ist kaum zu übersehen! Also ein grüner Donnerstag morgen? - Der Name des Gründonnerstags könnte aber auch einen anderen Ursprung haben. Der Begriff „Grün“ lässt sich von dem alten Wort greinen herleiten. Greinen bedeutet, lachend oder weinend den Mund zu verziehen, aber auch knurren und murren. Greinen ist ein Ausdruck für ein Gefühl in besonderen Situationen. Vielleicht lässt es sich am häufigsten bei Kindern beobachten. Also kommt morgen ein Donnerstag, um den Mund zu verziehen?

Für viele Christen neigt sich die Fastenzeit dem Ende entgegen. In den Wochen zwischen dem Aschermittwoch, der die Faschingszeit beschließt, und dem Karfreitag liegen 40 Tage, in denen viele Menschen auf etwas Liebgewonnenes verzichten. Diese Tradition gibt es schon seit vielen Jahrhunderten. Dieser Verzicht schafft Raum für Besinnung. Die Christen besinnen sich auf den Leidensweg von Jesus. Am Gründonnerstag, so ist es überliefert, hat Jesus mit seinen Freunden zum letzten Mal zusammengesessen und gegessen. Kurz darauf, am Karfreitag, ist er hingerichtet worden und gestorben. Und dann, am Ostermorgen, entdecken die Freunde ein leeres Grab und verstehen, dass ihr Freund nicht mehr tot ist. Dieser Jesus, den der Himmel geschickt hat, ist stärker als der Tod.

Der Gründonnerstag hat beides im Blick. Da stirbt ein unschuldiger Mensch. Aber auf wunderbare Weise hat dieser Mensch plötzlich neues Leben. Das ist Grund zum Weinen - aber auch zum Lachen. Der Gründonnerstag gehört zu den österlichen Festtagen. Und er lässt erahnen, was folgt - großes Leid und große Freude. Beides gehört zusammen und beides hat seinen Platz, wenn viele Christen morgen in den Kirchen Gottesdienst feiern und beim Abendmahl an Jesus letztes Essen mit seinen Freunden denken.

"Wort zum Sonntag", von Friedemann Bublitz, Pfarrer in Bischdorf,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 12. April 2017


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