Die „Aber-Geister“

Immer wieder wird etwas getan, obwohl etwas anderes gewollt ist. Dabei lässt sich das ändern.

Eines der am häufigsten gebrauchten Worte ist das kleine Wörtchen „aber“. Und mag es auch sehr klein und unscheinbar sein, so hat es doch eine große Wirkung - im Blick auf uns selbst und auf das menschliche Miteinander.

So ein „Aber“ taucht unvermittelt in meinen Gedanken auf, und oft genug würgt es Leben, Liebe und Glück ab. Ich erfahre zum Beispiel, dass ein Bekannter krank ist, und spüre den Wunsch, ihn zu besuchen, ihm so gut es geht beizustehen. „Aber“ - so flüstert eine leise Stimme in mir: „Ob dein Besuch willkommen ist? Vielleicht braucht er Ruhe und will gar nicht reden. Und: Hast du nicht so viel Anderes zu tun? Außerdem kannst du doch noch morgen hingehen …“  Oder: Da liegt ein Brief auf meinem Schreibtisch, der dringend beantwortet werden müsste. Ich schaue auf diesen Brief und nehme einen Stift zur Hand, da höre ich sie wieder: „Aber - du hast doch jetzt nicht die nötige Ruhe. Warte doch bis zum Wochenende“ - und ich lege den Stift wieder weg.

Wo so etwas geschieht, jeden Tag, da sind die „Aber-Geister“ am Werk. Stimmen in mir, die immer das Gegenteil einflüstern von dem, was ich eigentlich will. Etwas in unserem Geist, das immer „aber“ sagt und zum Gegenteil aufruft. Noch ein Beispiel: Ich spüre, wie erschöpft ich bin und wie sehr ich eine Ruhepause benötige. „Aber“, so flüstert ein Aber-Geist in meinem Kopf, „das kannst du doch jetzt nicht tun. Du wirst dringend gebraucht. Was sollen die Bekannten denn sagen?“

Auch im täglichen Miteinander tauchen die Aber-Geister auf: Da sagt mir jemand: „Eigentlich hast du recht - aber wir machen es trotzdem anders.“ Oder einer sagt zum anderen: „lm Großen und Ganzen bist du in Ordnung - aber als Kollege kaum zu ertragen …“

Machen Sie die Probe; Achten Sie darauf, wie oft Ihnen diese Aber-Geister begegnen. Sie werden sich wundern, wie beherrschend diese Kerle sind. Wenn wir sie bemerken, dann haben wir die Möglichkeit, sie zum Schweigen zu bringen. Wenn wir es schaffen, ohne Wenn und Aber der Stimme des Herzens, der Stimme der Liebe zu folgen, dann sind wir nah bei dem, was der christliche Glaube unter gelingendem Leben versteht. Was Christen zu Ostern feiern, ist die Uberwindung all dieser Aber-Geister. Ohne Wenn und Aber sagt Gott ja zu uns Menschen. Diese Botschaft vom Leben könnte eine Chance sein, so manchen Aber-Geist zu entlarven und auszutreiben. Vielleicht hören wir dann statt dieser Aber-Geister die Stimme eines Engels, der uns zuflüstert: Wie gut, dass es dich gibt! Und das könnten wir einander ruhig öfter sagen. Diese Botschaft ist gut gegen Aber-Geister. Mit dieser Botschaft vom Leben feiern wir Christen Ostern nicht nur an zwei Tagen, sondern immer weiter, jeden Tag neu. Feiern wir gemeinsam das Leben!

"Wort zum Sonntag", von Ansgar Schmidt, Pfarrer in Zittau,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 20. April 2017


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