Alles neu macht der Mai?

Dieses Sprichwort ist im Volksmund bekannt. Es trifft teils zu, teils auch nicht.

Alles neu macht der Mai - so sagt der Volksmund. Mir kommen die neuen Regeln und Gesetze in den Sinn: das Nikotin bei E-Zigaretten wird neu dosiert, der Mindestlohn für Maler und Lackierer wird neu berechnet und es gibt neue Festnetzpreise bei der Telekom. Manch einer wird sich freuen über die neuen Nachrichten, andere hingegen ärgern sich darüber. Aber dass mit dem 1. Mai alles neu wird - nicht nur ein bisschen, sondern so richtig und zur Freude für alle? Wie schön wäre es, wenn alle Kranken auf einmal gesund würden, die einsame Frau im Nachbarhaus eine neue Pflegekraft zu ihrer Unterstützung bekäme oder das schon so lange vor sich hin rostende Auto von heute auf morgen durch einen neuen Wagen ausgetauscht werden könnte. Auch ich würde mich über so manche Neuerung im Mai freuen: neue Ideen für die Gemeindearbeit, ein neues Gesicht in der Gemeinde oder einen neuen Freund.

Alles neu macht der Mai- schön wär's. Gott hat seinem Volk einmal in einer ausweglosen Situation gesagt: „Ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?“ Ein Neuanfang im Alltag - scheinbar unmöglich, aber nicht bei Gott. Vielleicht ist es ja nicht gleich die große Veränderung, die sich im Mai bei uns einstellt. Aber eventuell ergibt sich hier ein neues Gespräch mit der Nachbarin, dort eine neue Idee für die gemeinsame Zeit in der Familie oder neuer Mut, den Tag trotz Krankheit zu meistern. Nicht alles wird neu im Mai - aber hier und da ein bisschen.

"Wort zum Sonntag", von Cornelius Pohle, Vikar in der Kirchgemeinde Am Großen Stein in Seifhennersdorf,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 4. Mai 2017


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