Die Frage nach dem Seelenheil

Das Gesetz Gottes sollte öfter gehört werden, auch damit das Evangelium erstrahlen kann.

Nun jährt sich 2017 der berühmte Thesenanschlag Martin Luthers zum 500. Mal und wird aus gutem Grund groß gefeiert. Seine Worte fielen damals auf fruchtbaren Boden, denn sie gaben Antworten auf tiefgreifende Fragen, die nicht nur ihn selber quälten: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Wie erlange ich ewiges Seelenheil? Es scheint jedoch, dass dies heute kaum noch jemanden interessiert.

Der Blick für die Ewigkeit und für das Leben nach dem Tod ist weithin abhanden gekommen, obwohl jeder weiß: Mors certa hora incerta (Der Tod ist gewiss, die Stunde ungewiss). Eine Betonung der von Luther wiederentdeckten Gnade Gottes wirkt daher gegenwärtig, wie Rettungsringe in der Wüste zu verteilen - relativ bedeutungslos.

Nützliche Angebote richten sich aber nach aktuellen Ansprüchen oder - wie die Werbeindustrie praktiziert- man weckt Bedürfnisse. Der Rettungsringeverkäufer könnte also statistisch nachweisen, dass in der Wüste mehr Menschen ertrinken als verdursten. Er müsste das Sterben thematisieren! Und wir müssen notwendigerweise das Gesetz (AT) laut hören, bevor das Evangelium (NT) überhaupt Sinn macht. Nicht umsonst verkündet zuerst Johannes der Täufer eine drohende Gerichtsbotschaft, damit Jesus daraufhin umso deutlicher als Retter leuchtet. Die Botschaft Luthers wird oberflächlich bleiben, solange nicht das eigene Gewissen nagt und auch der Zorn Gottes in den Blick gerät: Was passiert mit mir, wenn ich eines Tages gestorben bin? Wie erlange ich ewiges Seelenheil? Erst dann geben die vier Eckpfeiler der Reformation Halt und Orientierung: allein durch Gnade, allein durch Glauben, allein durch Jesus Christus, allein die Schrift.

Lasst uns also das Gesetz Gottes und das zukünftige Gericht noch ernster nehmen und häufiger hören, denn umso kraftvoller erstrahlt dann auch das Evangelium - Hallelujal

"Wort zum Sonntag", von Martin Wappler, Pfarrer in Oberseifersdorf,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 11. Mai 2017


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