Die müssen an die frische Luft!

Himmelfahrt zeigt die vielen Phasen des Lebens: Ende und neuer Anfang, Leere und neuer Raum. Es muss nur genutzt sein.

„Und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen“ (Apg 1,9) - mit der Himmelfahrt von Jesus endet die fröhliche Osterzeit. Regelrecht ausgelassen wird dieser Tag begangen: mit Wanderpartien, Chorkonzerten und Freiluftgottesdiensten, wie dem ökumenischen am Kreuz auf dem Töpfer im Zittauer Gebirge. Eine Zeit unbeschwerter Lebensfreude beginnt, weil die Natur grünt und blüht, die Luft herrlich frisch und zugleich mild zu spüren ist, weil die Abende lang und hell werden und die Temperaturen steigen. Alles wird mitgenommen in eine Aufwärtsbewegung des Lebens. Sie reicht weiter über Pfingsten bis zum Johannistag am 24. Juni, dem Höhepunkt des Sommerhalbjahres.

Was mit der Himmelfahrt Christi auf dem Ölberg in Jerusalem passierte, lässt die Augen zum Himmel aufsehen. Zum wunderbaren, unendlich sich wölbenden Blau, voller Freiheit und Frische.

Als der Entertainer Hape Kerkeling vor Kurzem seine Erinnerungen an die Kinderzeit in einem Buch veröffentlichte, hatten die den sinnreichen Titel „Der Junge muss an die frische Luft!“. Wer kann dem nicht zustimmen? Wir genießen jetzt die Weite und Freiheit, den Garten und die Bewegung.

Es ist vor allem der frische Wind, der die Veränderung und Bewegung mit sich gebracht hat. Die Bibel spricht vom Geist Gottes. ln ihm ist das Leben, die Bewegung, das Vorausschauen und die Blicke nach oben. Dabei ist nicht alles für uns sichtbar - wie von Wolken eingehüllt.

Himmelfahrt bringt die unterschiedlichen Phasen und Betrachtungsweisen des Lebens auf den Punkt: Abschied und Aufbruch, Ende und neuer Anfang, Leere und neuer Raum. Bei Gott geht das in eins, was für uns zwei verschiedene Sachen sind. In der Blickrichtung des Glaubens entsteht aus dem einen das andere. Wir kommen endlich an die frische Luft!

Gottes Geist ist jetzt für uns da. Jesus schenkt Zuversicht in dem Moment, wo er nicht mehr irdisch ist. Er bewegt uns, tröstet uns,' wenn es heißt: Abschied nehmen, die Leere als neuen Raum zu begreifen, in dem Platz genug ist für mein Leben, für die neuen Ideen und die Inspiration dazu. Gottes Geist vermag das alles zu geben. Deshalb wünsche ich Ihnen ein fröhliches, gesegnetes Fest Christi Himmelfahrt, ob in der Oberlausitz oder beim Kirchentag in Berlin, Erfurt, Leipzig, Dessau und Wittenberg!

"Wort zum Sonntag", von Christian Mai, Pfarrer im Zittauer Gebirge,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 24. Mai 2017


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