Mit dem Segen Gottes in die Schule

Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Ihre Schulzeit denken?

Ich denke an meine erste 3. Ich war in der ersten oder zweiten Klasse und wir sollten einen Tannenbaum(!) malen. Der Fall lag klar auf der Hand: Der Kunstlehrer war SED-Ortvorsitzender und ich Pfarrerskind. Und ich denke an meine erste 5 in Geschichte. In einer unangekündigten Leistunsgkontrolle sollten wir den Schlieffen-Plan erläutern... An meine Mathelehrerin erinnere ich mich, die mir in der Oberstufe die große Last der Stochastik abnahm, indem sie die These vertrat, dass man für Mathematik genauso talentiert sein muss wie für Sprachen oder Musik.

Und an eine weitere Begebenheit erinnere ich mich, wenn ich an meine Schulzeit denke. Als alle meine Klassenkameraden die Weihe zum Jungpionier erhielten, wurde ich getauft. Für meine Eltern war das 1987 ein starkes Zeichen gegen das politische System. Für mich ist dieser Zeitpunkt aber auch immer mit dem Segen für diesen konkreten neuen Lebensabschnitt verbunden. Ich war mir immer bewusst, dass auch ich mit Gaben gesegnet bin, aber eben mit anderen als mathematischem Vorstellungsvermögen. Ich wusste mich in einer anderen Gemeinschaft aufgehoben als dem Gruppenrat, dessen Vorsitzende ich nie werden durfte. Bei allem Leistungsdruck von außen und innen wusste ich mich immer getragen von der Zusage, dass mein Wert mit einem anderen Maßstab ermessen wird als auf der Skala zunächst von 1-5 und später bis 6.

Am kommenden Wochenende werden wieder tausende Kinder den Lebensabschnitt Schulzeit beginnen. Damit sind immer viel Freude und Stolz, aber auch Ängste und Druck verbunden. Viele Kirchgemeinden laden zu Schulanfangsandachten oder -gottesdienten ein. Nehmen Sie als Eltern, Großeltern und Paten doch diese Einladung an und kommen Sie mit Ihrem ABC-Schützen in die Kirche. Geben Sie Ihren Kindern den Segen Gottes mit auf diesen ja nicht ganz kurzen und sehr prägenden Weg.  

"Wort zum Sonntag", von Friederike Hecker, Pfarrerin der Kirchgemeinde Ebersbach,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 3. August 2017


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