Jede Stimme trägt zur Freiheit bei

In gut zwei Wochen wählen die Deutschen eine neue Regierung. Dann wird sich entscheiden, ob alles beim Alten bleiben oder ob es Veränderungen geben wird. Die Parteien, die sich zur Wahl stellen, haben in den vergangenen Wochen Plakate aufgehängt - ihr politisches Spektrum ist groß. Und manch einem fällt es schwer, aus dieser Auswahl von über 30 größeren und kleineren Parteien diejenige herauszufinden, die den eigenen Vorstellungen und Wünschen am ehesten entspricht. Zustimmung und Ablehnung - im Blick auf ein und dieselbe Partei kann man mitunter beides empfinden.

Wenn sich in einigen Wochen eine neue Regierung findet und zusammensetzt, wird sie mit der Opposition im Parlament, dem Bundestag debattieren und abwägen, Entscheidungen treffen und überprüfen. Viele Lebensbereiche werden von dieser künftigen Regierung geprägt und beeinflusst werden. Wir tun gut daran, sorgfältig über unsere Wahl nachzudenken!

Der Begriff Parlament kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie Unterhaltung, aber auch der ebenfalls aus dem Französischen stammende Begriff Debatte bezeichnet eine lebhafte Diskussion, eine Auseinandersetzung mit Worten. Beide Begriffe stehen als Symbol für die Art und Weise, wie in unserem Land Politik gemacht wird. Viel wird geredet, viel mehr noch müsste debattiert werden, hat zu Anfang dieser Woche Bundestagspräsident Wolfgang Lammert im Rückblick auf die vergangenen vier Jahre gesagt.

Das Wort im Zentrum und als Zentrum politischer Meinungsbildung ist ein hohes Gut und keine Selbstverständlichkeit. Dass aus Worten - auch unliebsame - Entscheidungen reifen, die wieder und wieder diskutiert und dann auch praktisch umgesetzt werden, unterscheidet unser politisches System von Diktaturen und zwielichtigen Regimen auf dieser Welt. Vom Stadtrat über Kreise und Bundesländer bis hin nach Berlin haben politische Vertreter das Recht, ihre Ansichten zu äußern und dafür zu streiten. Aber eben mit Worten und in gegenseitiger Achtung füreinander! Was geschieht, wenn Taten Worte ersetzen und sich Menschen von Ängsten leiten lassen, lehrt uns unsere deutsche Geschichte. Dagegen kann jede unserer Stimmen ein Beitrag zur Erhaltung dieser politischen Kultur sein, die uns manchmal freut und ärgert, aber die uns doch Freiheit und Gleichberechtigung sichert wie niemals zuvor!

"Wort zum Sonntag", von Friedemann Bublitz, Pfarrer der Kirchgemeinde Bischdorf-Herwigsdorf,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 7. September 2017


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