Gnädig auf Fehler schauen

Der richtige Umgang mit den großen und kleinen Problemen des Alltags will gelernt sein.

Blasmusik tönt aus dem Lautsprecher.  Schon von weit weg ist sie zu hören. Zwei Minuten bin ich da, schon weicht die Musik aus der Dose einer Livedarbietung.

Der Zug meines Besuches kommt erst in 50 Minuten. Ich hatte die falsche Zeit im Kopf und jetzt habe ich noch Zeit. Kurz habe ich überlegt, ob ich noch einmal nach Hause fahre, aber das hätte sich nicht gelohnt. Also bin ich losspaziert: Mitten in ein lustiges Kleinstadtspektakel hinein. So hatte ich gar keine Zeit, mich über meinen Fehler zu ärgern. Das ist nämlich in der Regel der Fall: Wenn etwas schiefgeht, ärgere ich mich. Doch mit der äußerst enthusiastischen Blaskapelle vor mir frage ich mich:

Wie gehe ich eigentlich mit den großen und kleinen Widrigkeiten des Alltags um? Lasse ich zu, dass mich meine Fehler, und die meiner Mitmenschen, aus der Ruhe bringen? Rege ich mich fürchterlich auf, schimpfe und poltere?

Oder gelingt es auch, über das vermeintlich Schiefgegangene zu lachen? All dem mit Fehlerfreundlichkeit zu begegnen?

Fehlerfreundlichkeit heißt dabei, gnädig auf unvorhergesehen Lauf der Dinge zu schauen. Wer weiß, wozu es vielleicht gut ist? Und: liebevoll den Menschen zu betrachten, dem der „Fehler“ passiert ist. Dazu werde ich bei meinen Mitmenschen kaum in der Lage sein, wenn ich mir nicht selbst gnädig begegnen kann. Denn „du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. (Mk 12, 31)

Dies unterstreicht nun die Blaskapelle mit harmonisch versöhnlichen Melodien.

"Wort zum Sonntag", von Nina-Maria Megel-Mixtacki, Pfarrerin der Kirchgemeinde Obercunnersdorf
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 19. Oktober 2017


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