Es war ein Mahl

Nein, es ist kein Märchen, sondern es war eine echte, richtig schöne Veranstaltung. Nicht nur Wolfgang Thierse und Landesbischof Carsten Renzing haben in letzter Zeit darüber nachgedacht, was „Heimat“ ist (siehe Der Sonntag, Nr. 4, S. 5), sondern auch 50 Frauen der Ephorie Löbau-Zittau und darüber hinaus. Eingeladen hatte ein Kreis aus Theologinnen und Historikerinnen. Am vergangen Freitag fand es statt, ein weiteres Frauenmahl.

Frauenmahle sind in der Lutherdekade entstanden. Sie wurden seit 2013 auch in unserer Landeskirche an verschiedenen Orten durchgeführt. Und diese Veranstaltungen waren so gut, dass wir sie nicht mit der Lutherdekade enden lassen wollten.

Das Thema unseres Frauenmahls sollte eines sein, das regional bedeutend ist. Und so sind wir auf „Heimat“ gekommen. In drei Vorträgen ging es um Heimatvertriebene nach 1945, um die Entstehung der Exulantenkirche in Neusalza in den 1670iger Jahren und um das Zuhause sein in den zwei Ländern = zwei Welten Deutschland und Tschechien. Es waren reichhaltige, mitnehmende Vorträge, dazu gab es ein wunderbares Drei-Gänge-drei-Länder-Menü, grandiose Musikbeiträge, die selbst Zugezogene zu Lokalpatriotinnen machten und aufschlussreiche Gespräche am Tisch. Was macht Heimat für uns zur Heimat, woran machen wir sie fest, was gehört dazu? Ist „Heimat“ zu unterscheiden von „zu Hause“? Wie kann ich jemanden zum „fühl dich wie zu Hause“ einladen. Kann man sich in einem anderen Land wie zu Hause fühlen?

Fernab von Struktur und Gemeindegrenzen, jenseits von Politik und Ideologie wurde offen über Heimatgefühle gesprochen, über Zugehörigkeit und Familienbindung, über Traditionen und Bilder aus der Vergangenheit, die Heimat ausmachen.

Auch Kirchgebäude und Kirchgemeinden können und wollen Heimat sein. Geborgenheit, Gemeinschaft, Dazugehörigkeit sind für die christliche Gemeinschaft sinn- und existenzstiftend. Hinzu kommt, dass die urchristenlichen Gemeinden oftmals den Gottesdienst mit einem gemeinsamen Essen verbanden, nicht nur ein Abendmahl, sondern eine richtig sättigende Mahlzeit. Und auch Jesus hat seine Verkündigung oftmals mit einem Essen verbunden. Was für eine schöne Tradition also.

Das nächste Frauenmahl findet übrigens am 23. März 2018 in der Wachbergbaude in Saupsdorf bei Sebnitz statt. Anmeldungen sind erwünscht.

"Wort zum Sonntag", von Friederike Hecker, Pfarrerin der Kirchgemeinde Ebersbach,
veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung vom 1. Februar 2018


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