2025-11-15 – Saatgutbank Kirche
Wir sind von unserer Saat abhängig, von der Arbeit, von Bedingungen, vom Segen und der Ernte. Neulich habe ich ein Dokument über Saatgutbanken gesehen, wofür sie da sind, wie sie funktionieren und wie auch neue Saatgutbanken entstehen. Man bewahrt hier Saatgut – Samen von Pflanzen. Solche Banken sind von strategischer Bedeutung für den Naturschutz und die globale Ernährungssicherheit, denn sie sorgen auch für die genetische Vielfalt und erleichtern die Anpassung von Nutzpflanzen an widrige Bedingungen. So sind sie für den Schutz und die Weitergabe des landwirtschaftlichen Erbes von entscheidender Bedeutung und stellen eine echte Versicherung gegen Krisen wie Naturkatastrophen, Lebensraumverlust, Pflanzenkrankheiten, Schädlinge und Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel dar.
Die Kirche ist auch eine Saatgutbank, indem sie das Wort Gottes schätzt und bewahrt, und zwar nicht nur in Büchern, sondern auch in Köpfen und in Herzen, d.h. in einer lebendigen Form. Sie ist auch für die Aussaat zuständig, aber allein dieses Bewahren und Pflegen der Lebendigkeit des Wortes Gottes hat schon einen entscheidenden Sinn. Wir suchen Gott, erinnern an ihn, unterstützen seine lebendige Saat und arbeiten mit ihr, in der Hoffnung, dass eine große, wunderbare Ernte kommt. Wir erleben dabei viel Misserfolg, aber zum Schluss kommt doch Erfolg, die Saat fällt in die Tiefe des fruchtbaren Bodens und bringt ganz plötzlich viel Frucht. Einen Zuspruch dazu finden wir im 2.Kor 9,10-11: „Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch Euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen – die Früchte eurer Gerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit, die durch uns wirkt Danksagung an Gott.“ Die Gerechtigkeit wird hier betont, aber auch das Geben aus Dankbarkeit und in Lauterkeit – in Aufrichtigkeit ohne Hintergedanken. Entweder haben wir das alles, oder es kann sein, dass uns manchmal die Gerechtigkeit fehlt, oder die Dankbarkeit, oder die Gebefreudigkeit in Aufrichtigkeit ohne Hintergedanken. Da kann jeder bei sich schauen, was er eher stärken sollte.
Gastbeitrag in der SZ-Kolumne „Um Himmels willen“ von Pfarrer Adam Balcar, Kirchgemeinde Oderwitz-Mittelherwigsdorf und Krankenhausseelsorger im Klinikum Oberlausitzer Bergland, erschienen in der Wochenendausgabe vom 14./15. November 2025.