Konfirmandenunterricht inklusiv gestalten
Mit dabei im Konfiunterricht – mutmachendes Beispiel für gestaltete Inklusion in der Kirchgemeinde
Farah kennt ihre Kirche. Regelmäßig geht sie mit ihren Eltern und Großeltern in den Gottesdienst. Farah kennt den Kantor per Handschlag, die nun nicht mehr neue Pfarrerin wird mit einem überschwänglichen „Hallo“ begrüßt und natürlich auch der Gemeindepädagogin fliegt ein fröhliches „Eva“ mit viel Winken und Strahlen entgegen. Mit großer Freude singt Farah beim Familienchor mit. Werden ihr dabei Gebärden (Gesten) für die wichtigsten Textworte angeboten, nutzt sie diese mit Begeisterung, vor allem, wenn die anderen Chorsänger das auch tun. Vor gut drei Jahren stellte sich ihren Eltern die Frage: Kann Farah konfirmiert werden? Dass sich ihre Eltern diese Frage stellten, liegt an dem Chromosomen-Plus, das Farah im Leben mitgegeben wurde. Farah lebt seit ihrer Geburt mit Trisomie 21, dem sogenannten Down-Syndrom. In der Begegnung mit Menschen ohne Handicap ist ihre Behinderung oft hinderlich. Farah verhält, bewegt sich anders. Sie trägt Hörgeräte, spricht sehr wenig und undeutlich. Häufig ist dieses offensichtliche Anderssein eine Kluft zwischen ihr und ihrer Umwelt. Was haben Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam? Mehr als das Trennende. Sie wollen ihr Leben selbstbestimmt leben, dazugehören, ihre Talente entdecken und zeigen, anerkannt und respektiert werden, ihren Platz finden. Nur verfügen Menschen mit geistiger und oder körperlicher Behinderung nicht über die gleichen Mittel, diese Lebenswünsche zu verwirklichen. Sie müssen Umwege gehen, Brücken suchen, Hilfen in Anspruch nehmen. Auch Farah. Was braucht es, dass Farah in ihrer Kirchgemeinde konfirmiert werden kann? Zunächst erst einmal das „Ja“ der Pfarrerin. „Klar kann sie konfirmiert werden.“, war die Antwort. Über das Wie musste zusammen beraten werden. Farah wird die schwierigen Texte nicht verstehen können, Gebete sprachlich nicht so auswendig lernen, wie die anderen und sie wird sich nicht so äußern können, wie der Rest der Gruppe. Wie dann? Mit Veranschaulichungen, Vereinfachungen, Gebärdenunterstützung, mit ihrem Sprachcomputer. Auch die Rahmenbedingungen müssen abgesprochen werden. Farah braucht ein besonderes Augenmerk. Jemand, der sie kennt, an ihrer Seite ist, ihre Sprache versteht, ihre Befindlichkeiten zu deuten weiß, ihre Stärken einbeziehen und auf Schwächen eingehen kann. Ein Glücksumstand für Farah war es, dass sich ihre jüngere Schwester der Aufgabe annehmen wollte, sie zu unterstützen. Beide Schwestern besuchten den Konfirmationsunterricht. Darin bekam Eva ihre besondere Rolle für Farah. Sie stellte ihr auf sie angepasste Materialien zur Verfügung, nahm die Achtsamkeit für Farah in der Gruppe ein und vermittelte, wo es nötig wurde zwischen den Jugendlichen, um das Bewusstsein für Farah zu schärfen. Ein tieferes Verständnis für alle der Konfirmanden schließlich wurde das Lernen des Glaubensbekenntnisses mit unterstützenden Gebärden. Die Gebärden halfen Farah, selbst das Bekenntnis mit den von ihr genutzten Sprachmitteln zu lernen und aufzusagen. Damit sie es mit den Gebärden lernen konnte, lernten alle mit. Schließlich wurde es auch bei der Konfirmation in der Kirche vor der Gemeinde so aufgesagt und verlieh dem allgemeinen Glaubenszeugnis einen sehr nachhaltigen Eindruck. Farah spricht es auch ein Jahr nach der Konfirmation im Gottesdienst mit Gebärden mit und fordert ihre Großeltern neben ihr auf, die Gebärden mitzumachen. Sie will damit nicht allein sein, sucht sich Mitmacher. Und dann die Frage nach dem Glauben. Reicht der Glaube von Farah aus, um mündiges Gemeindemitglied zu sein? Es ist weniger der formal bezeugte Glauben, mehr der von ihr gelebte Glauben, der die Entscheidung zur Konfirmation schließlich unterstrichen hat. Im Rückblick zusammengefasst meint ihre Schwester: „Farah hat sich in der Gruppe wohlgefühlt, immer alle gegrüßt, auch wenn ihre Herzlichkeit nicht immer von den anderen Jugendlichen erwidert wurde. Farah hat viel abgeschrieben, gemalt und sich an den Gesprächskreisen selbstverständlich mit ihren Möglichkeiten beteiligt. Bei Ausflügen half ich immer mal etwas mehr, fand das aber für mich nicht belastend. Die Pfarrerin und Eva haben sich richtig gut auf Farah eingelassen, waren ihr fester Bezugspunkt. Dass letztlich alle Jugendlichen ohne viel Zögern das Glaubensbekenntnis mit den Gebärden, was anfangs nicht ganz leichtfiel, gelernt haben, war toll. Die Konfizeit war für mich schön, lehrreich und ich denke gern an besondere Momente darin zurück, wie die herzlichen Gesten von Farah an die Gruppe.“ Farah war Teil der Gemeinschaft, hat sie mit ihrer Besonderheit bereichert und ist selbst daran gewachsen.
Von Katja Zerbe aus Zittau

Tipps für den Konfirmandenunterricht
Einfach Bibel (auch in unserer KJB-Bibliothek verfügbar)