2026-03-22 – Recht so!!! – Recht so???

An einem beliebigen Tag in der Schule: Es ist gerade Pause gewesen, ich komme ins Klassenzimmer und möchte den Unterricht beginnen – es brennt gerade die Luft. „Schüler Max (Name beliebig) kommt zu mir: „Der Moritz (Name beliebig)  hat mein Zeug vom Tisch gefegt“  Antwort von Moritz: „Der hat mir den Stuhl weggenommen“ ……  Natürlich mischen sich sofort  fünf andere ein und ergreifen lautstark Partei – und erwarten von mir Gerechtigkeit.

Ich war nicht dabei, kann also schlecht beurteilen, wie es wirklich war, kann mir nur meinen Reim drauf machen, wie ich die Jungs (oder Mädels) sonst erlebe.
RECHT  –  Recht haben  –  Recht bekommen  –  Recht sprechen  –  Recht gesprochen bekommen  –  wer bekommt meistens Recht, wer geht leer aus  –  Recht verdrehen.
Heikle Themen, die in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert haben. Natürlich erwarten wir im Sozialstaat Gleichbehandlung aller als das Grundprinzip unserer Lebensordnung. Und von denen, die urteilen müssen, sowieso.
Allein die Realität sieht oft anders aus. Wir müssen im Kleinen wie im Großen oft erleben, dass manche unserer Mitmenschen bevorteilt werden, weil sie ein größeres Ansehen genießen, in einer besseren Stellung sind.
Diese Entwicklung erleben wir auf allen Ebenen der Gesellschaft. Besonders schmerzlich erleben das Jugendliche mitunter im Schulleben, Erwachsene auf dem Arbeitsmarkt. Der Stärkere bekommt Recht. Der Schwächere bleibt auf der Strecke.
Geschönte Worte, wie „Anpassungsmaßnahmen“, „notwendige Entscheidung“, „so ist der Lauf der Dinge“ ….  treffen immer die vermeintlich Unbedeutenderen der Gesellschaft.
Der kommende Sonntag wird im Kirchenjahr Judica genannt, nach dem Anfang des Psalm 43 aus der Bibel: „Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta” – zu Deutsch:  „Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!“
Ein absoluter Vertrauenssatz und Bekenntnis, dass Gott derjenige ist, der Recht schaffen und bei allen Ungerechtigkeiten, die wir immer wieder erleben müssen, helfen kann.
Aber auch ein Bibelvers, der ermutigen will, dass wir uns im Vertrauen auf Gott selbst für das Recht der Unbedeutenden der Gesellschaft einsetzen.
Um die Interessen der Benachteiligten zu vertreten gibt es überall Schülervertretungen, Betriebsräte, Mitarbeitervertretungen …
Immer wieder werden Menschen gesucht, die dieses Ehrenamt, sich für ihre Mitarbeiter einzusetzen, übernehmen.

Judica – schaffe mir Recht – vielleicht ein lohnendes Ziel, in der kommenden Woche darüber nachzudenken, inwieweit ich persönlich bereit bin, mir Gedanken um dieses Thema zu machen.   

Gastbeitrag in der SZ-Kolumne „Um Himmels Willen“ von Mirko Hirsch, Gemeindepädagoge und Religionslehrer im Kirchenbezirkes Löbau-Zittau, erschienen in der Wochenendausgabe vom 21./22. März 2026.