2026-04-19 – Gesucht-Gefunden
Was bzw. wer gerade gesucht wird, das erfährt man in den Stellenanzeigen. Dort purzeln dann die gewünschten Traumeigenschaften aus der Anzeige, eine nach der anderen: „belastbar, teamfähig, fundierte EDV-Kenntnisse, kommunikativ, flexibel, kundenorientiert, erfahren, selbstbewusst, eigenmotiviert, begeisterungsfähig…“. Etwas ratlos lässt mich eine solche Aufzählung schon zurück. Was wird da alles erwartet? Und: Gibt es tatsächlich solche perfekten Bewerber? – Tja, und wie wird es erst aussehen, wenn Gott die Suche nach dem Menschen seines Herzens startet? Denn dass Gott den Menschen sucht, das erfahren wir schon auf den ersten Seiten der Bibel: Nachdem Adam und Eva Gottes Gebot überschritten haben, verstecken sie sich. Gott aber ruft: „Adam, wo bist du?“ Da „Adam“ im Hebräischen zugleich das Wort für „Mensch“ ist, beginnt hier letztlich die Suche Gottes nach Dir und mir: „Mensch, wo bist du?“
Nun, wie reagieren wir auf dieses Gesucht-Werden? Vielleicht geht es uns ähnlich wie bei den Stellenanzeigen oben: Wir trauen uns eine Kontaktaufnahme nicht zu. Denn wir wissen, dass wir nicht so sind, wie wir sein sollten. Wir wissen, dass wir IHM und einander vieles schuldig bleiben. Und wie weiter?
Der kommende Sonntag heißt auch Sonntag des Guten Hirten. Und seine Botschaft lautet: Gott wird nie aufhören dich und mich zu suchen und zu lieben. Da hören wir zum Beispiel von dem Hirten, der lieber die 99 Schafe zurücklässt, die sich nicht verirrt haben und dafür dem einen verlorenen nachgeht und es sucht, bis er es findet. Darum ist die Liste der Anforderungen auf Gottes Suchanzeige denkbar kurz: „Der Menschensohn (Jesus) ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Ja, hier sind tatsächlich nicht die Verdienstvollen gefragt, sondern die Verlorenen! Wenn das so ist, da könnt ich mich glatt melden…
Gastbeitrag in der SZ-Kolumne „Um Himmels Willen“ von Gerd Krumbiegel, Pfarrer in der Kirchgemeinde Großschönau, erschienen in der Wochenendausgabe vom 18./19. April 2026.