2026-02-15 – Gott will Inklusion!
Mose war toll. Gott hat aber keinen Alleskönner dafür gewählt, sondern einen, der die scheinbar wichtigste Fähigkeit für die Aufgabe nicht hatte. (2. Mose 4, 10) Was das genau heißt? Stottern, leise Stimme, Schwierigkeit, mit Worten umzugehen … Das ist egal. Mose konnte etwas nicht und hat Gott das klar gesagt. Auch wir fühlen uns nicht immer bereit für eine Aufgabe, weil wir keinen Plan haben oder weil andere es für unmöglich halten. Der erste Impuls ist Ablehnung und Verweis auf hoffentlich fähigere Menschen.
Gott geht aber nicht den leichten Weg, Er macht es auch Mose nicht leicht. Er wurde sogar ein wenig pampig, weil Mose an der Entscheidung gezweifelt hat, aber Er ermutigte ihn auch: Schließlich habe Er ihn geschaffen. Wenn jemand seine Fähigkeiten kennt, dann ja wohl Er als Schöpfer. Natürlich würde Er ihn unterstützen. Nach einem Plan klingt das nicht, aber Gott wusste wohl, dass Mose der Richtige dafür war. Er müsste nur anfangen, um eine Möglichkeit zu finden. Manchmal stehen wir Menschen uns selbst im Weg mit unseren Grübeleien. Das bringt Gott sicher öfter zur Weißglut. Die einzige Lösung ist oft einfach loszulegen ohne Plan.
Moses Angst war aber groß. Vielleicht hätte er Gott gern angeschrien: „Hör mir doch zu! Ich schaff das nicht! Bisschen Schulterklopfen reicht mir nicht, ich brauche praktische Hilfe!“ Das tut er nicht, aber aus seinen Worten spricht diese lähmende Angst. Auch wenn man Sturheit sieht: „Nö, kann ich nicht, will ich nicht, mach ich nicht.“ Gott wird zornig, aber es ist produktive Wut. Das heißt, Gott hört Ungesagtes und liefert eine Lösung. Nicht Heilung, sondern Assistenz. Moses Bruder Aaron soll sein Sprachrohr sein. Gott sagt damit, dass individuelle Unterstützung gut ist. Moses Widerstand verschwindet. Gott hat ihm einen Weg gezeigt und er muss ihn nicht allein bewältigen. Also gehen sie los und schauen, was passiert …
In diesem Dialog in 2. Mose 3 und 4 stecken viele Emotionen, die ich bei Diskussionen über Inklusion beobachte: Unsicherheit, wie das funktionieren soll. Angst, es nicht zu schaffen und auf die Nase zu fallen. Verzweiflung, nicht mit allen Bedürfnissen wahrgenommen zu werden und keine Hilfe zu bekommen. Ärger über die Vorbehalte und Sturheit mancher Menschen. Drang, einfach zu machen, damit endlich was passiert. Alle Gefühle sind berechtigt. Das sehen wir hier. Gott lehrt uns, einander zuzuhören. Niemand muss sich durchsetzen. Inklusion funktioniert nur im Gespräch miteinander.
Fehlt Ihnen auch eine Fähigkeit wie hier Mose? Oder waren Sie schon mal Assistenz wie Aaron? Wem könnten Sie assistieren? Geben und Nehmen entspricht dem Willen Gottes. Lassen Sie uns entdecken, wie erfüllend und erfüllt von Gottes Denken Inklusion sein kann.
Gastbeitrag in der SZ-Kolumne „Um Himmels Willen“ von Rosalie Renner – Mitarbeiterin im Inklusionsteam des Kirchenbezirkes Löbau-Zittau, erschienen in der Wochenendausgabe vom 21./22. Februar 2026.