2026-1-18 – Weil Gott in tiefster Nacht erschienen…
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
aktuell unterrichte ich, während meines Probedienstes, auch noch ein paar Stunden Religionsunterricht in der Schule. Dort schlägt uns der Lehrplan vor, sich Gedanken über Gottes-Bilder zu machen – im gleichen Atemzug, wenn ich über die 10 Gebote reden soll: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Abbild machen […]“ (2. Mose 20,4). Wenn ich kein Bild von ihm habe – wie sieht Gott denn aus? Oder die bessere Frage wäre: Wie erscheint uns Gott in unserem Leben?
Wir befinden uns mitten in der Epiphanias-Zeit – der zweite große „Abschnitt“ unserer Weihnachtszeit, die noch (je nach Tradition) bis zum 2. Februar (Mariä Lichtmess – also bis zur „Reinigung“ bzw. bis zum „Ablichteln“) gefeiert wird.
In der heutigen Zeit, wo keiner mehr so richtig weiß, wann denn diese Zeit des „Lichtelns“ endlich vorbei ist, weil sich in der Kirchentradition bis dahin schon zigmal alles geändert zu haben scheint; ausgerechnet in dieser Zeit, in der (mit einigen Ausnahmen) oft das Januargrau vorherrscht, sollen wir die Epiphanie Gottes (sprich: seine Erscheinung) suchen.
Ja – und wie sieht er denn jetzt aus, dieser Gott? Jesus als erschienenen Gottes Kind in der Krippe zu finden ist oft leicht. Aber darüber hinaus? Jesus als Sohn Gottes am Kreuz? Keine schöne Erscheinung…
Aber ich denke, gerade dort wohnt Gott – irgendwo zwischen den grauen Wolken – und möchte uns trotzdem nahe sein – nicht fern; nicht eingepackt wie die Lichterkette, ruhend bis zum nächsten Weihnachtsfest. Gerade jetzt, wo dieser Gott doch unscheinbar scheint – gerade in dieser Zeit.
Aus meiner Heimat nehme ich die Redwendung der „sauren Gurkenzeit“ mit – also die Zeit im Kirchenjahr, in der scheinbar nicht so viel los ist. Aber vielleicht unterschätzen wir diese Zeit auch etwas. Denn ich denke, Gottes Erscheinung kann uns überall und jederzeit passieren.
Also, ich hab Gott schon an ganz unterschiedlichen Orten und zu den kuriosesten Zeiten entdeckt: beim Lesen, in der Musik, beim Spazieren, in Gesprächen, selbst im Streit und in der Versöhnung, aber auch in der Stille. Erst recht dort, wo man denkt, dass nichts passiert. Gerade dann will uns Gott irgendwo im Nichts erscheinen und unser Leben erhellen. Lassen wir ihn dabei nicht im Dunkeln tappen.
Gastbeitrag in der SZ-Kolumne „Um Himmels Willen“ von Pfarrerin Friederike Seidel, Kirchspiel Oberes Spreetal, erschienen in der Wochenendausgabe vom 17./18. Januar 2026.